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  Alte Kameraden

von Willibert ©


Sie hatten sich seit der Schulzeit nicht mehr gesehen, Jens und Alf, obwohl sie damals unzertrennliche Kumpels waren und sich so gut kannten. Aber ihre Wege hatten sich getrennt. Alf war nach Berlin gegangen und Jens nach Münster, wo er auch studiert hatte. Alf hatte eine Banklehre gemacht und arbeitete immer noch in diesem Beruf, während Jens als Webdesigner guten Erfolg hatte und nun auch schon seit einer Weile in Berlin lebte. Es war wirklich der pure Zufall, weil Jens in der Bankfiliale an den Automaten ging, in der Alf tätig war und dessen Gesicht unverkennbar ist, so dass es Jens auch noch nach 20 Jahren sofort erkannt hatte. "Mensch Jens," hatte Alf gerufen," da gibt es eine Menge zu erzählen." Die beiden verabredeten sich für den Abend in einer Kneipe in der Schillerstraße. Alfs Frau Iris fand die Idee mit dem Treffen nicht so gut, wollte es ihm sogar ausreden, aber er ließ sich nicht beirren, zeigte sogar Verständnis, denn sie hätte den Abend lieber mit ihm verbracht, dachte er sich. Alf küsste noch seine süße Frau und seinen kleinen Sohn Mischa und verließ sein trautes Heim um Acht.

Es begann mit einem Abtasten der Ereignisse, denn zwanzig Jahre sind eine lange Zeit. Alf erzählt von seiner Familie und Jens von seiner Freundin, die er als hypergeiles Luder bezeichnete. Sie bestellten Bier und schwelgten bald in ihren Erinnerungen an die gemeinsame Schulzeit. Mann, sie hatten vielleicht Dinger zusammen gedreht und auch mal Zoff gehabt. Aber Alf war Jens heute überhaupt nicht mehr böse, dass er ihm damals seine Freundin ausgespannt hatte, in die Alf so verknallt war. Sie hatten schon ein paar Halbe drin, als sie irgendwie anfingen, sich gegenseitig mit Errungenschaften zu reizen. Es war immer noch dynamischer Zündstoff in ihnen, der schon früher zu den anregendsten Gesprächen geführt hatte. Alf legt ein Foto auf den Tisch: "Meine Eigentumswohnung, Charlottenburg." Jens ließ sich nicht lumpen und hatte auch ein Bild dabei: "Mein Haus, Wannsee." Alf war beeindruckt, denn das Bild zeigt eine hübsche Villa, die bestimmt einen Haufen Kohle wert war. Alf lies seine Hand in das Sakko gleiten und hatte ein weiteres Bild in der Hand, das er Jens vor die Nase hielt: "Mein Wohnwagen, ganz neu." Jens schmollte anerkennend mit dem Mund und griff in sein Jackett. Ein neues Bild lag vor Alf, das Jens kommentierte: "Mein Boot." Mein Boot, dachte Alf, Scheiße, das war eine Yacht, schneeweiß und vermutlich extrem teuer: "Nicht schlecht, Jens, dir geht es offensichtlich gut." Alf hatte aber noch Bilder dabei und legte das nächst hin: " Mein Motorrad." Jens nickte anerkennend und legt ein Bild daneben, nur umgedreht: "Mein Pferd." Mensch, dachte Alf, ein Pferd zu halten ist wirklich nicht billig.

Sie bestellten zwei neue Bier, nicht ohne das Jens bemerkte, dass die Bedienung einen geilen Arsch hat. Alf nickte, musste sich aber von Jens anhören: "Ficken würde ich sie nur, wenn sie verheiratet ist. Die anderen Schlampen machen zu viel Stress, weist du? Beziehungsscheiße und so." Alf hatte Probleme mit dieser Bemerkung, denn er war ein treuer Ehemann, dachte aber, dass jeder sein Ding machen soll.

Nun war es aber an der Zeit, Jens mal ins Hintertreffen zu bringen. Alf schmunzelte, als er ganz langsam das nächste Foto auf den Tisch legte: "Meine Frau." Jens sah, ohne eine Mine zu verziehen, auf das Bild. Warum sagte er nichts. Alf wurde ungeduldig: "Hey, zuviel Bier? Was ist? Sieht sie nicht gut aus?" Jens sah ihm mit hochgezogener Stirn ins Gesicht: "Ja, sie sieht gut aus." Dann fasste er in seine Tasche und knallte sein nächstes Foto auf den Tisch: "Mein geile Fickschlampe." Alf sah einmal hin, zweimal und dann schwieg er, denn ihm wurde schlecht. Er stand auf und rannte zum Klo und schaffte es gerade noch bis zum Waschbecken, um sich auszukotzen. Dieses Schwein, dachte er, das darf nicht wahr sein, diese Mistsau! Das Foto war eine Nacktfoto seiner Frau, ist war Iris. Er brauchte eine Weile, um sich zu sammeln und überlegte, ob er schnurstracks die Kneipe verlassen sollte. Aber, er tat es nicht, soff ein paar Schluck Leitungswasser und ging zum Tisch zurück. Beide schwiegen sich gegenseitig an, bis Alf fragte: "Wie lange schon?" Jens wippte lässig mit dem Kopf: "Weiß nicht genau, drei Jahre glaube ich. Sie ist ´ne heiße Nummer." Eine heiße Nummer, drehte es sich durch Alfs Kopf, eine heiße Nummer, seine Frau. "Hast du noch mehr Bilder?" fragte Alf mit einer resignierenden Stimme, die einem hätte leid tun können. Jens nickte und legte das nächste Bild hin: "Mein Schwanz." Alf stützte sein Kinn in eine Hand, nahm sein Glas und zog sich den einen Viertelliter rein, ohne abzusetzen, wobei er auf den Tisch bekleckerte. Mit schrägem, nach unten geneigten Kopf richtete er seine Augen auf Jens, als wolle er fragen, ob das alles sei. War es nicht. Das nächste Foto klatschte auf die Tischplatte: "Mein Sohn." Nun war eigentlich Ohnmacht angesagt, denn das Bild hatte er auch in der Tasche. Es war Mischa. Alf überlegte nur noch, unter welcher Brücke er in dieser Nacht schlafen würde.

Aber er wachte am nächsten Tag in seinem Ehebett auf, weil Iris im am Schwanz lutschte. Er hatte alles nur geträumt und spritzte ihr das erste Frühstück in den Rachen.



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